➤ Triggerwarnung ✦ Diese Geschichte enthält sensible Themen wie psychische und körperliche Gewalt, Andeutungen sexualisierter Gewalt, Zwang, Selbstverletzung und traumabezogene Inhalte. Es thematisiert den Verlust von Kontrolle, Identität und Würde unter extremen Bedingungen. Bitte lies mit Achtsamkeit – besonders, wenn du selbst Erfahrungen mit diesen Themen gemacht hast. Diese Geschichte erzählt von Schmerz. Aber auch von Überleben.

➤ Prototyp ✦ Dieser Text ist in seiner Rohform und kann deswegen noch Schreibfehler, Grammatikfehler oder Sonstiges beeinhalten.

KIRA

⛧⛧⛧

Der Boden unter mir war kalt. Beinahe schwarz. Ich hob den Kopf und schaute mich um. Ich stand auf einer Bühne, oder so ähnlich. Um mich herum verzerrte Gestalten. Fast Schemenhaft. Etwas zog sich in mir zusammen. Ihre roten Augen starrten mich an. Ihre Blicke scharf, wie Stiche. Ein Schatten kam näher. Er war größer. Breitete sich aus. Ich atmete in kurzen Stößen. Mein Herz raste. Er kam näher. Und doch wagte ich mich nicht zu rühren. Kein Stück.

„Stell dich auf das Podest.“, befahl er.

Ich gehorchte. So wie immer. Zwei Löwen umkreisten das Podest. Ihre lauernden Blicke auf mich gerichtet. Einer war weiß und einer schwarz. Sie knurrten und fauchten. Ich verlor den Halt unter meinen Füßen. Und fiel. Durch ein Blumenmeer. Blaue Spinnenlilien. Ich fiel weiter. Immer tiefer. Jede Berührung mit einer Blume stach. Wie ein scharfer Schnitt. Ich fiel einfach weiter. Immer mehr Blumen. Immer mehr Schnitte. Die Spinnenlilien färbten sich rot. Eine nach der anderen. Runen brannten sich ein. Heiß. Schneidend. Dann Schwärze. Seine Augen. Er griff nach mir. Wie er es immer tat. Das flammende Rot verschlang mich.

Dann wachte ich auf.

Ich riss die Augen weit auf. Die Angst umhüllte mich wie ein Mantel aus Schmerz und Blut. Mein Atem ging stoßweise. Mein Herz raste. Ich war wie erstarrt. Alles um mich herum war verschwommen. Ich hörte Schritte. Laute, schwere Schritte. Hinter der Stahltüre. Nein… hier war keine Tür. Kein Stahl. Ein Trugbild? Schlüssel klimperten. Ich krallte mich in die Decke.

Eine Decke?

Seit wann… war sie da?

„Wir haben es überlebt. Und werden es wieder tun.“, sagte eine vertraute Stimme. Ich konnte sie nicht einordnen. Aber sie klang warm und… tröstend.

Der Geruch von Leder… irgendwie vertraut. Wie eine längst vergessene Erinnerung.

Meine Sicht wurde klarer. Ich sah den Couchtisch. Den Holzboden. mein Atem beruhigte sich langsam. Dann schaute ich mich um. Ich war nicht dort. Nicht mehr. Aber wo war dort? In der Küche bewegte sich etwas. Er war es. Dieser fremde Mann. Sein Rücken zu mir gerichtet. Er machte irgendwas, aber ich sah nicht was. Ich sah die Messer nicht mehr. Sie waren nicht mehr da. Hatte er sie weggeräumt?

Ich setzte mich langsam auf. Hielt die Decke fest umklammert. Mein Blick wanderte wieder auf den Couchtisch. Da stand ein Glas Wasser, eine Schale mit Nüssen und Apfelscheiben. Ich schaute wieder in Richtung Küche. Er hatte sich umgedreht. Aber schaute mich nicht direkt an. Ich ihn auch nicht.

„Ich habe dir etwas hingestellt.“ Seine Stimme ließ mich zusammen zucken. Es kam plötzlich. Unerwartet. Dann ging er in Richtung Flur. Ich behielt ihn im Blick. Er wirkte, als würde er jede seiner Bewegungen berechnen. Dann verschwand er hinter der Tür. Ließ sie aber leicht angelehnt. Sie war nicht zugesperrt. Und sie war nicht aus Metall.

Ich wusste nicht, wie lange ich auf die Tür starrte. Ein paar Sekunden vielleicht – oder länger. Mein Blick wanderte wieder zum Couchtisch. Ich lockerte meinen Griff. Starrte auf das Essen. Dann schaute ich nach vorne. Im Fernseher sah ich eine Spiegelung. Eine leichte Reflexion. Wen sah ich da? Ich stand vorsichtig auf. Meine nackten Füße wanderten über das Holz. Vor dem Fernseher blieb ich stehen. Zerzaustes rotes Haar hing ihr bis zu den Schultern. Leere Augen. Eine kümmerliche Gestalt. Vorsichtig hob ich meinen Arm. War ich das…? Ich berührte den Bildschirm nicht. Beobachtete einfach nur, was ich da vor mir sah.

NERO

⛧⛧⛧

Die Bank am Flur war kalt. Meine Schultern waren angespannt. Mein Blick wanderte zum Rucksack. Wohlwissend, was darin verbarg. Ich legte meine Ellenbogen auf den Oberschenkel und ließ den Kopf nach vorne sinken. Sie hatte heute etwas weniger Furcht in ihren Augen. Vielleicht war ihr jetzt bewusst, dass sie nicht mehr dort war. Selbst wenn es nur ein kurzer Augenblick war. Ich atmete tief aus. Die Worte gingen mir nicht aus dem Kopf.

„… rote Haare … vielversprechend … Kontrolle“

Verdammt, was haben diese Dreckskerle ihr nur angetan? Ich konnte es mir nicht ausmalen aber allein der Gedanke daran schnürte mir die Brust zu.

Wie von selbst nahm ich meine Pistole von der Kommode. Strich über das Metall. Der Lauf war noch warm, als hätte ich sie vor kurzem benutzt. Wie konnte das sein? Eine Einbildung? Als ich diesen Mistkerl sah… mit dieser blauen Blume. Sie wirkte so fehl am Platz.. Oder vielleicht doch nicht? Ich hätte einfach abdrücken sollen. Warum kam es mir so vor, als hätte ich ihn schon einmal getroffen. Ein eiskalter Schauer zog meinen Rücken herunter. Es war ein Gefühl, das zu schnell wegging, um es zu begreifen. Ich setzte mich auf den Boden. Baute die Pistole auseinander, putzte, sortierte – und baute sie wieder zusammen. Meine Ohren waren die ganze Zeit über zum Wohnzimmer gerichtet.

Als ich die Pistole wieder auf die Kommode legte, hörte ich ein leises Knarzen in den Dielen. Mein Blick wanderte sofort in Richtung Wohnzimmertüre. Vorsichtig legte ich die Waffe ab. Und blieb dann Regungslos stehen. Die Tür bewegte sich. Nur ein kleines Stück. Hände, die sich an das Türholz klammerten. Sie schaute vorsichtig in den Flur. Ich hielt den Atem an. Meine Finger zuckten, kaum merklich. Aber ich spürte sie – die Anspannung in jeder Faser meines Körpers. Sie schaute erst nach links, dann in meine Richtung. Als sie mich sah, zog sich ihr Kopf ruckartig zurück. Dann ließ sie die Tür los.

Es knarzte wieder.

Aber sie kam nicht in den Flur.

Es war vielleicht nicht viel. Aber es fühlte sich dennoch wie ein Anfang an.

Das Licht war dunkler geworden. Nur der schwache Schein der Abendsonne fiel in das Fenster im Wohnzimmer. Ich saß am Küchentisch und sortierte die Notizen, Bilder und Zettel von der alten Fabrik. Mein Blick wanderte immer wieder zu ihr. Ich fragte mich, warum sie sich im Wohnzimmer sicherer fühlte, als im Schlafzimmer. Vielleicht, weil er einfach offener war und nicht so abgeschnitten vom Rest. Mehr Fluchtmöglichkeiten, sollte es notwendig sein. Ich blätterte die Papiere durch, schaute mir die Fotos von den Ritualen nochmal an. Dieselben Runen, wie bei den anderen Ritualen auch. Und von… ihr. Nicht ganz. Etwas war anders. Aber ich wusste nicht, was es war. Dann fiel mir der Zettel mit den Notizen der Dämonen in die Hand. Ich starrte ihn an. Meine Finger verkrampften sich. Die Worte verschwammen und ich hatte wieder diesen Bilder im Kopf. Von ihren Verletzungen. Dann sah ich, wie ich das Papier geknittert hatte. Beinahe zerrissen. Ich legte das Papier ruckartig weg, als wäre es Gift in meinen Händen. Ich stand auf und machte einen Schritt zum Fenster.

Draußen spielte ein Kind mit einem Ball. Es sah so unbeschwert aus. Es lachte fröhlich und lief zu seinen Eltern. Im Gesicht ein breites Grinsen. Meine Brust zog sich zusammen. Dieses Gefühl breitete sich aus. Ein längst vergessenes. Ich unterdrückte es, versperrte es wieder tief in meinem Inneren. Dann schaute ich wieder zur Couch. Sie schlief noch. Aber sie wirkte so angespannt. Vielleicht sah es auch nur so aus, als würde sie schlafen. Ich legte die Zettel in die Schublade unter dem Tisch- Da wo auch alles andere war, das man nicht sofort sehen musste. Das Handy vibrierte in der Hosentasche. Ich hatte ganz vergessen, dass es da war. Ich starrte auf den Display. Eine Nachricht von Yuki. Drei verpasste Anrufe. Scheiße ich hatte die beiden total vergessen.

“Was ist los? Ich warte seit Stunden auf eine Rückmeldung!”

Ich spannte meinen Kiefer an. Ich antwortete kurz und knapp, dass alles okay war und legte das Handy auf den Tisch. Für einen Moment stand ich einfach nur da. Dann setzte ich mich wieder auf den Stuhl. Er rutschte leicht und quietschte.

Verdammt.

Mein Blick war sofort bei der Couch. Keine Reaktion von ihr. Erleichtert schnaufte ich aus und starrte dann auf meine Handflächen.

Was war nur mit mir los?

Es war, als würde alles auf einmal kommen. Alles, was ich weggeschlossen hatte, holte mich ein. Ich wollte das gar nicht. Ich wollte einfach nur vergessen. Diese ständige Unruhe. Und dieses Gefühl, das eine fremde Person in mir auslöste. Ich verstand es einfach nicht. Ich war müde. Aber ich konnte nicht schlafen. Nicht jetzt. Mein Blick wanderte zur Couch und dann auf den Couchtisch. Das Glas Wasser war nicht angerührt. Die Äpfel auch nicht – nicht mal die Nüsse. Langsam ging ich zum Tisch und nahm den Teller mit den Apfelscheiben in die Hand. Sie waren schon ganz braun. Dann stellte ich sie in die Küche. Ich stützte meine Hände auf der Arbeitsplatte ab. Starrte auf diese verdammten braunen Apfelscheiben. Ich wusste nicht einmal mehr, wann ich das letzte mal etwas gegessen hatte. Dann aß ich ein Stück vom Apfel. Dann Zwei. Dann alle. Meine Augen brannten. Ich blinzelte einmal fest und rieb mir die Augen. Dann schleppte ich mich in den Flur und setzte mich da hin, wo ich letzte Nacht saß. Mit dem Rücken zur Wand. Meine Augen wurden immer schwerer. Ich kämpfte dagegen an. Gegen die Müdigkeit. Aber Stück für Stück holte sie mich ein und die Schwärze umhüllte mich sanft.